Lamberti Magazin
2022
35/43

HEIßER GENUSS

Kaffee ist nicht gleich Kaffee.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Der eine hat etwas mehr Säure, ein anderer wiederum begeistert durch seine Süße oder nussige Note. Seit einem guten Jahr betreiben Marcel Hackler (32) und Achim Barghorn (38) die Käthe Kaffeerösterei, eine starke Entwicklung nach der Gründung vom gemütlichen Café Käthe vor einigen Jahren. Damit haben sich die beiden Baristi den langjährigen Wunsch erfüllt, endlich auch ihren eigenen Spezialitätenkaffee herzustellen.

Nachhaltige Spezialität

Doch was genau ist das eigentlich? „Ein Spezialitätenkaffee verfügt über Qualitätsstandards mit mehr als 80 Punkten von 100. Er wird fair gehandelt und lässt sich bis zum Bauern oder der Kooperative im Herkunftsland zurückverfolgen. Dafür liegen die Preise auch über denen normaler Fairtrade-Produkte“, so Achim Barghorn. Um hier auf der sicheren Seite zu sein, beziehen die beiden Unternehmer immer mehr Kaffee über Roasters United, eine Vereinigung von 16 Röstereien aus ganz Europa, wobei der Kaffee das Label ,Single Origin‘ vorweisen muss, also dass die Herkunft genauestens bekannt ist. Nachhaltigkeit und Wertschätzung stehen für sie neben einem exzellenten und vielseitigen Geschmack an oberster Stelle – auch wenn dies teilweise eine Herausforderung für ein junges Unternehmen ist, denn die Produkte werden vorfinanziert.

Handverlesen und geprüft

Ein weiteres Kriterium: Die Kirschen werden bei höchstem Reifegrad von Hand verlesen. „So haben sie eine maximale Süße und gute Säure für einen runden Geschmack. Sie gehen durch viele kontrollierende Hände und werden bereits im Ursprungsland von einem Sommelier auf ihre Qualität geprüft.“ Das wirkt sich auch auf die Dauer der Röstung aus, die derzeit noch im Johann Jacobs Haus in Bremen schonend von Hand erfolgt. „Sie fällt bei uns etwas heller aus, um den besonderen Glanz zu erhalten. Je länger und dunkler, desto mehr verflüchtigen sich die Aromen“, so Achim Barghorn. Insgesamt etwa zehn ausgewählte Sorten bietet die Käthe Kaffeerösterei an. Wie bei einem Wein gibt es auch bei Kaffee gute und schlechte Jahrgänge, so dass Achim Barghorn und Marcel Hackler sorgsam auswählen. „Außerdem darf man den Klimawandel nicht außer Acht lassen. Hier wird derzeit mit unterschiedlichsten Pflanzen und Verfahren experimentiert.“

Transparenz und Verantwortung

Brasilien, Indien, Peru, Honduras oder Kenia – das sind nur einige Länder, aus denen die Käthe Kaffeerösterei ihre Zutaten bezieht. Und manchmal kann man sich die Bedingungen sogar vor Ort ansehen. So war Marcel Hackler in diesem Jahr gemeinsam mit anderen Mitgliedern von United Roasters in Peru, hat dort mit den Landwirten gesprochen und sich die Abläufe bei der Ernte angesehen. Transparent, offen und ehrlich solle der Handel sein. „Gerade in Deutschland wird sehr viel Kaffee getrunken, daher tragen wir alle auch Verantwortung und sollten mehr auf Qualität setzen.“ Übrigens: Für eine Tasse Kaffee benötigt man etwa 30 Bohnen.

Bewusst schmecken 

Nicht jeder schafft es, auch feinste Nuancen herauszuschmecken – was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass wir uns heute nicht mehr so viel Zeit für den Genuss von Speisen und Getränken nehmen. „Damit es besser klappt, bieten wir in unserem Workshop-Programm Verkostungen und Geschmacksschulungen an“, sagt Marcel Hackler, der auch weiß, dass Schmecken und Riechen zusammengehören. Je länger und damit auch dunkler eine Bohne geröstet ist, desto bitterer schmeckt übrigens auch der Kaffee. Je heller sie ist, umso mehr lassen sich noch die ursprüngliche Säure und Aromen erkennen. „Je nach Sorte kann das zum Beispiel ein spritziger, zitroniger Charakter sein“, weiß Marcel Hackler. Oder aber er schmeckt nach Jasmin, Bergamotte oder Schokolade. Nicht zu vergessen sind die Assoziationen, die jeder Mensch ganz individuell damit verbindet. „Darauf muss man sich erst einmal einlassen. Vielleicht weckt es Kindheitserinnerungen an den ersten Kaffee bei der Oma.“

Weihnachtliche Präsentideen

Kaffee aus dem Türchen? Auch das ist möglich, denn im Café Käthe ist ein toller Adventskalender mit verschiedenen Kaffeesorten erhältlich. Auch sonst bietet sich hier eine kleine Auswahl an Präsentideen, beispielsweise schöne Dosen mit Kaffee für jeden Tag.

Winterliche Gaumenfreuden

Es muss nicht immer nur Kaffee mit Milch sein. Gerade im Winter bieten sich gute Möglichkeiten, das heiße Getränk noch etwas aufzupeppen. Er kann schokoladiger oder fruchtiger sein. „Zum Beispiel kann man statt der Milch Orangensaft aufschäumen und auf den Espresso geben“, sagt Marcel Hackler. Ein weiteres, und dazu noch sehr gesundes Geschmackserlebnis: das Aufschäumen von Milch mit Rote Bete-Saft. Oder aber das Verfeinern mit zartbitterer Schokolade – ebenfalls eine kleine Köstlichkeit.

www.kaethekaffee.de


VON MELANIE JÜLISCH