Lamberti Magazin
2023
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Hier wird nichts weggeworfen

Nüsse, Clementinen und ein Schokoweihnachtsmann – all dies findet sich in den transparenten Tüten, die die Oldenburger Tafel kurz vor Weihnachten an die Bedürftigen verteilt. „Darüber freuen sich wirklich alle“, sagt Knut Behrends. Seit zweieinhalb Jahren ist er Vorsitzender des Vereins. Doch nicht nur die liebevoll gepackten Präsente erfreuen die Kunden, sondern auch die weihnachtliche Dekoration. 

Ein bunt geschmückter Tannenbaum, ein Schlitten und Kerzen dürfen da nicht fehlen. Klar, gerade zu Weihnachten ist die Sehnsucht nach Wärme und Sicherheit oftmals noch viel stärker als sonst. Menschen, die kein Obdach haben, Familien am Existenzminimum und Geflüchtete, die von ihren Liebsten meilenweit getrennt sind, benötigen nun noch mehr Zuwendung. „Wir versuchen daher, alle so gut es geht zu unterstützen.“

Ein gutes Jahr

Blickt Knut Behrends auf 2023 zurück, so ist er ganz zufrieden. „Es war ein gutes Jahr. Wir bedanken uns daher ganz herzlich bei allen Spendern, sei es bei großen Firmen, dem Bäcker um die Ecke oder den Kunden im Supermarkt, die einen Teil des Gekauften in die Spendenbox geworfen haben.“ Frisches Obst und Gemüse, Backwaren, allerlei Haltbares und Hygieneprodukte konnten so in dem Gebäude an der Kaiserstraße wieder fleißig an Menschen mit geringem Einkommen verteilt werden. 

Voraussetzung zur Teilnahme ist der Oldenburg-Pass und der Tafelausweis. Pro Woche werden etwa 1500 Personen unterstützt. „Und wir haben aufgrund der Geflüchteten aus der Ukraine zwar immer noch eine Warteliste, sie ist aber längst nicht mehr so lang wie zu Anfang des Krieges. Neukunden können wir zurzeit, obwohl Bedarf ist, leider nicht aufnehmen.“

Fleißige Helferinnen und Helfer

Aber auch das ehrenamtliche Engagement konnte sich sehen lassen. „Insgesamt 180 Helferinnen und Helfer aus unterschiedlichen Kulturen unterstützen uns derzeit unentgeltlich in drei Bereichen: dem Fahrdienst, im Sortierteam und im Ausgabedienst montags bis freitags. Der Fahrdienst beginnt an einigen Tagen bereits früh morgens gegen 6.30 Uhr, damit rechtzeitig zu den Öffnungszeiten von 13 bis 16 Uhr die gespendeten Waren sortiert in den Regalen liegen können. Hinzu kommen zwei Bufdis und manchmal auch Schülerinnen und Schüler, die bei uns ein Praktikum machen.“ Knut Behrends selbst ist seit 2019 dabei. 

„Ich war gerade erst in den Ruhestand verabschiedet worden und fühlte mich sehr fit. Also habe ich geschaut, wo ich helfen könnte und habe hier zunächst als Fahrer angefangen.“ Die Oldenburger Tafel sieht er als Rädchen in der großen Kette, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Und mit dem Verteilen in Geschäften übrig gebliebener Waren ist das Ganze noch nicht zu Ende. „Auch bei uns sind Angebot und Nachfrage nicht immer gleich groß, so dass am Abend manchmal noch etwas in den Regalen liegt. Das wird dann von den Foodsharern abgeholt.

Es tut sich was

Dass die Oldenburger Tafel sich stetig weiterentwickelt, hat sie sicher in erster Linie dem Ideenreichtum der Mitwirkenden und deren Engagement zu verdanken. Ganz neu im nächsten Jahr ist daher das Angebot an Tiefkühlprodukten. Dafür steht nun eine frisch gebaute Tiefkühlzelle zur Verfügung. „Einige Produzenten sind auf uns zugekommen, damit wir deren überschüssige TK-Ware übernehmen.“  Weiterhin wird ein weiteres Kühlfahrzeug angeschafft, um die logistischen Herausforderungen besser bewältigen zu können.

Und auch an die Mitarbeiter, die transportieren, sortieren und packen, hier noch ein verwelktes Blättchen abzupfen und da ein freundliches Wort für die Kunden übrighaben, ist gedacht worden. „Wir gestalten gerade die Sitzecke neu, damit man sich in der Pause auch mal in einer etwas schöneren Atmosphäre auf ein Käffchen oder Teechen zurückziehen kann.“


Von Melanie Jülisch